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Das Romanische Café (in Berlin): spektakuläre Künstlervernetzung

26.02.2016

 

 

Seit mehreren Jahren beschäftigt mich der Wunsch, mich mit anderen professionellen Künstler genreübergreifend zu vernetzen. In Aachen hatte ich es einmal ca. 2 Jahre mühsam versucht. Allerdings verlief die ganze Initiative nach viel anfänglichem Enthusiasmus im Nichts.

Bei meiner Zeit in Landsberg war ich begeistert, als ich erfuhr, es gebe dort einen Künstlerstammtisch. Allerdings stellte sich heraus, dass es sich eher um den Freundeskreis um eine Musikerkollegin handelte. Doch ich musste immer wieder an meine nebulösen Bilder von Künstlercafés denken und fragte mich, ob das nur eine wilde Phantasie war.

Meine aktuellen Recherchen zu den Themen 'Künstlervernetzung', 'Künstlerstammtisch', 'Kunstverein' ergaben leider sehr frustrierende ergebnisse:

- sehr viele Seiten im Netz sind maßlos veraltet d.h. ich las mehrmals z.B.: "Wir wollen einen Künstlerstammtisch ins Leben rufen. Unser erstes Treffen ist am 23.05.2004"...

- sehr häufig haben Bildhauer den Begriff 'Kunst' und 'Künstler' auf eine Weise für sich verreinnahmt, die ich als sehr egozentrisch und eigentlich ignorant empfinde: denn mit 'Künstler', 'Künstlerstammtisch', 'Kunst' oder 'Kunstverein' sind ausschließlich die bildenden Künste gemeint, d.h. alle anderen genres von Künstlern werden hier vollständig ausgeblendet (Musiker, Autoren, Schauspieler, erzähler usw.).

 

Bislang habe ich trotz vieler Telefonate und ausgiebiger Recherchen nichts gefunden, wo sich professionelle Künstler genreübergreifend miteinander informell treffen, austauschen, Projekte entwickeln etc.

Ein Künstlerkollegn meinte gar: "Das hat keinen Sinn. da brauchst Du nicht zu suchen. Künstler sind eben Individualisten."

 

Und dann stieß ich auf die Vita von dem berühmten Dichter Rainer Maria Rilke. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten: Sigmund Freund und der Bildhauer Rodin, bei dem er sogar als sekretär arbeitet. Rilke hielt sich bei seinem Aufenthalten in Berlin und München in den dortigen Künstlercafés auf. Joachim Ringelnatz selbst schreibt in seinen autobiografischen Notizen von verschiedenen Münchener Cafes, in denen er sich aufgehalten hat: im 'Schall und Rauch', 'Café Glasl', eine kleine Weinstube am Vikualienmarkt, das 'Simpl', die Künstlerkneipe 'Der bunte Vogel', das Schwabinger 'Simplicissimus'. Hier traf sich auch z.B. Erich Mühsam.

 

Schließlich stieß ich auf die Berliner Szene der Jahre von 1890 bis 1933: Im 'Romanischen Café' und im 'Café Größenwahn' trafen sich von morgens bis spät abends sämtliche Kreative, die Rang und Namen haben. Sie hielten sich dort auf und tranken Café, spielten Schach, handelten Verträge aus. Sie entwickelten Spontangedichte, mit denen sie sich gegenseitig verulkten. Zu diesen Personen gehörten: Bertold Brecht, Rilke, Erich Mühsam, Else Lasker-Schüler, Egon erwin Kisch, kurt weill, Tucholsky, Oppenheimer, Liebermann, erich Ohser u.v.a.m.

mit dem Eintreten der Nazidiktatur bei der Machtergreifung 1933 endete diese Zeit.

Und anscheinend gibt es seitdem in Deutschland keinen Ort mehr, an dem sich auf diese Weise Kreative ganz informell treffen und kreativ austauschen.

 

 

 

 

 

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